Erneuerbare Energien schützen vor Stromblackout

Hans-Josef Fell (Mit-Urheber des dt. Erneuerbare-Energie-Gesetzes/EEG):

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

200 000 Haushalte waren im Atomland Frankreich Anfang Jänner nach einem Sturm ohne Strom. Für Tausende dauerte der Stromausfall tagelang. Wie man wieder sehen konnte, ist eine zentrale Stromerzeugung, z.B. Atomenergie mit den dazu nötigen langen und nicht sturmsicheren Freileitungen, bei Katastrophenwetterlagen besonders anfällig für Blackouts (Stromausfälle). (http://www.tagesschau.de/ausland/sturm-219.html)

Der dezentrale Ausbau der Erneuerbaren Energien in Verbindung mit Speichern und Erdverkabelung ist der entscheidende Schutz vor Stromausfällen. Und eben nicht die ausschließlich Grundlast liefernden fossilen und atomaren Großkraftwerke – auch wenn es Kohle- und Atomlobby immer noch anders behaupten.

Die Erneuerbaren Energien seien nicht stetig verfügbar, würden keine Grundlast liefern und würden daher die Gefahren von Stromausfällen (Blackouts) erhöhen. Dieses Argument wird immer noch zentral von den Gegnern der Erneuerbaren Energien verwendet. Doch dieses Argument ist genauso falsch wie die Mär vom teuren Ökostrom.

Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten. Ein lang andauernder, flächendeckender Stromausfall ist in der Tat eine existenzielle Bedrohung. Nach nur wenigen Tagen bricht die Versorgung mit Wasser, Treibstoffen, Lebensmitteln oder Geld aus Banken zusammen. Computer fallen aus und können nicht mehr das öffentliche Leben organisieren. Eindrucksvoll hat dies der von mir als damaligem Berichterstatter für Technikfolgenabschätzung auf den Weg gebrachte Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung im Bundestag (TAB) im Jahre 2011 aufgezeigt. (https://www.hans-josef-fell.de/content/index.php/presse-mainmenu-49/national-mainmenu-70/369-tab-bericht-mit-erneuerbaren-energien-stromversorgung-im-katastrophenfall-sichern

Sicherheit vor dieser existenziellen Gefahr mit dem Zusammenbruch der Gesellschaft kann nur eine dezentrale, autarkiefähige Stromversorgung vor Ort in den wichtigsten Versorgungseinrichtungen wie Wasserwerken, Banken, Katastrophenschutz, Krankenhäusern, Lebensmittelmärkten, Treibstoffversorgung gewähren. Obwohl das Wissen über die hochgradige Gefährdung groß ist, gibt es kaum Vorsorge, um vor Ort einen langandauernden und flächendeckenden Stromausfall aufzufangen.

Doch einzelne beispielhafte Aktivitäten machen vor wie es gehen sollte.

Als erste österreichische Gemeinde erstellte Stubenberg in der Oststeiermark gemeinsam mit Einsatzorganisationen und Verantwortlichen der Infrastruktur, wie der Feuerwehr, Rettung, Polizei, dem E-Werk Stubenberg und den Infrastrukturverantwortlichen der Bereiche Wasser, Abwasser und Wärme einen umfassenden Blackout-Schutzplan mit eigenem Krisenstab. Blackout-Übungen gehören zur Vorsorge in der Gemeinde. Eine Vollversorgung mit Ökostrom garantiert bei einem Totalausfall des überörtlichen Stromnetzes die Stromversorgung im Ort. (https://www.meinbezirk.at/hartberg-fuerstenfeld/lokales/stubenberg-ist-jetzt-gegen-blackout-gesichert-d2199510.html)

Die Stadt Haßfurt in Unterfranken baut gerade eine Blackout-sichere Stromversorgung für die Wasserbetriebe mit Erneuerbaren Energien und Batterien auf, damit die 14 000 Einwohner auch im Krisenfalle eine garantierte Wasserversorgung haben.

In Texas legte der Hurrikan Harvey im Sommer 2017 Stromversorgung und öffentliches Leben fast völlig lahm. Flächendeckende Stromausfälle waren die Folge. Die Ölplattformen im Golf wurden evakuiert und lieferten kein Öl mehr. Doch die Windkraftanlagen im Meer und auf dem Lande produzierten mitten im schlimmsten Hurrikan besonders hohe Stromerträge und überstanden den Sturm unbeschadet. In ihrer Nähe befindliche Stromkunden hatten Strom, sofern die Leitungen Stand hielten, was mit Erdverkabelung flächendeckend organisiert werden könnte. (http://blog.cleanenergy.org/2017/08/30/texas-wind-farms-survive-hurricane-harvey/)

In Südaustralien hat kürzlich die neue Tesla-Batterie in nur 0,14 Sekunden den plötzlichen und ungeplanten Betriebsausfall des dortigen Kohlekraftwerkes aufgefangen und einen längeren Stromausfall in der Region verhindert. (http://www.latimes.com/business/la-fi-tesla-battery-australia-20171226-story.html)

Es wird endlich Zeit, dass das Geschwätz aufhört, Erneuerbare Energien würden die Stromversorgung gefährden und zu vermehrten Blackouts führen.

Es ist genau umgekehrt: Blackouts gibt es massenhaft in den Ländern, die voll auf die Grundlastkraftwerke wie Kohlekraft setzen. Südafrika z.B. setzt zu 90 % der Stromerzeugung auf Kohle. Aber die Wirtschaft und das tägliche Leben sind oft stundenlang gelähmt, denn stundenlange Blackouts sind dort an der Tagesordnung. (http://www.deutschlandfunk.de/suedafrika-erstickt-an-der-Kohle.697.de.html?dram:article_id=309999)

Dezentrale Erneuerbare Energien zusammen mit modernen Speichertechnologien und Erdkabeln sind also der Garant, dass das Horrorszenario eines lang andauernden und flächendeckenden Stromausfalles nicht eintritt.  


Ihr Hans-Josef Fell  


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